The Past, Forever

 

Über dreißig Jahre ist der 9. November 1989 nun her, als nach dem Gestammel eines sichtlich überforderten Günter Schabowski am späten Abend die Menschen zu den Grenzübergängen nach West-Berlin strömten und einfach nicht weggingen. Bis die ratlosen Grenzer sich ins Unvermeidliche fügten und den Schlagbaum öffneten. Zuvor hatte es Demonstrationen gegeben, lautstarke Proteste und die abertausendfache Weigerung, sich weiter einschüchtern zu lassen. Wer alt genug ist, sich an diese Zeit zu erinnern, kennt auch die inoffizielle Wendehymne „Wind of Change“, der der Name dieses Bildes entnommen ist – wenn auch ein wenig neu kontextualisiert.

Ein U-Bahn-Zug der Baureihe A3, vom Bahnhof Schlesisches Tor in Kreuzberg (ehemals Berlin-West) kommend, überquert die Oberbaumbrücke (Baujahr 1894, schwer beschädigt 1945, wiederhergestellt 1992), um in Kürze im Friedrichshainer Bahnhof Warschauer Straße (ehemals Berlin-Ost) einzufahren. Ein unspektakuläres Ereignis, das vielleicht zwei Minuten dauert. Heute. Doch die heutige Bezirksgrenze trennte einst zwei Staaten, war scharf gesichert, Menschen haben ihr Leben riskiert (und oft verloren!), sie zu überwinden. Davon künden die blauen Leuchtbojen auf der Spree, die der Lichtkünstler Rainer W. Gottemeier zum Mauerfalljubiläum entlang der Grenzlinie installiert hat. The Past, Forever: Die Vergangenheit ist allgegenwärtig – und die scheinbare Banalität einer kurzen Bahnfahrt in Wirklichkeit hart erkämpft durch den Mut vieler Einzelner.

 

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© 2020 Ricarda Klein